Service, Teil 1 – Louis Vuitton

Was haben Louis Vuitton, Fiat und Apple gemeinsam?…

Viel einfacher, alle drei Firmen wollen was verkaufen. Und noch was haben die drei Firmen gemeinsam: bei allen dreien wollte die beste Familie von Allen Geld gegen Güter oder Dienstleistungen tauschen.

Wie im wirklichen Leben waren unsere Erfahrungen so unterschiedlich wie sie nur sein konnten…

LV, die Marke der es gelungen ist mehr fakes als Originale in Umlauf zu setzen:

Bei einer Reise nach Lissabon kurz vor Weihnachten brachte ich meiner alleinerziehenden Liebe ein, aus meiner Sicht, wunderschönes Tuch der internationalen Nobelmarke mit. Als sich die schönsten Mundwinkel von Allen beim Anblick der rosa eingefärbten Baumwolle nach unten bewegten war ich froh, dass ein Umtauschrecht für Österreich vermerkt war.

Ein kleines Ledertäschchen, mit bloßem Auge kaum erkennbar, sollte es werden. Bei der nächsten Gelegenheit stolperte ich also im goldenen Dreieck in Wien in das Geschäft, in dem Kunden die weniger als 10.000 Euro ausgeben wollen, in die Warteschlange ohne belegte Brötchen und Sekt gestellt werden. Mit dabei das Tuch, das einer eingehenden forensischen Untersuchung unterworfen wurde. Neben der Echtheitsüberprüfung wurden auch die Hautpartikel gezählt und einer DNA Untersuchung unterworfen. Mehr als 100 Hautschuppen oder DNA von 2 verschiedenen Personen führt offensichtlich zu einer Verweigerung der Rückgabe. Rückgabe ist natürlich in keinem Fall möglich. Umtausch maximal, obwohl es der Verkaufsperson (ich glaube es war ein Transgender Roboter, gefangen im Körper eines Transgenders) sehr viel lieber gewesen wäre ich hätte die paar hundert Euro verfallen lassen. „Kleinlicher Schwabe“ war auf dem Gesicht in großen, leuchtenden Buchstaben zu erkennen.
Meine Anfrage kam leise und eingeschüchtert…
„Ich bitte ergebenst darum den Umtausch dieses wunderschönen Tuchs in eine Pochette Monogram Canvas aus Ihrer Sicht in Erwägung zu ziehen“, wollte ich sagen, aber meine Stimmbänder verselbständigten sich und ich stotterte ungefähr 5 mal Bitte, Danke, keine Umstände und sehr gerne.
Der Roboter nutzte meine Einschüchterung aus und erklärte mir in einem durch unzählige Verkaufstrainings erlernten Satz, dass der Umtausch ein Entgegenkommen ist und ich mich für eine Auswahl an KLEINEN (sehr starke Betonung) Taschen etwas gedulden müsste.
Ungefähr 20 Minuten (gefühlt ein halber Tag) kam das Teil mit der Auswahl von 3 Produkten zurück.
Die von der besten Ehefrau von allen ausgewählten Pochette, war nicht einmal mit viel Phantasie erkennbar. Es gab, neben einem desinteressierten Achselzucken eine Geldbörse mit roten Monogramm, einen Schlüsselanhänger und eine kleine Tasche mit rosa Buchstaben. „Da Sie ein rosa Tuch gekauft haben, ging ich davon aus, dass Sie diese Farbe bevorzugen“, näselte das Etwas.
Ich vergaß zu atmen und gefühlt 3 Sekunden später war die Store Managerin (als Frau erkennbar, mit französischen Akzent) neben mir, lächelte süss-säuerlich und meine gereizten Gehörgänge hörten…
„Mein Err, isch bitte Sie, voulez Sie ein wenig nasch die Seite gehen – vielleischt ein Glas Mineral – isch denke wirr finden sischer eine solution“…..
Zurückblickend hat die Store Managerin mit Ihrem Verhalten verhindert, dass ich auf die nächste Wachstube zur Beruhigung verfrachtet worden bin.
Der Transgender Roboter nahm in der Folge meine Daten auf (Aufnahme in die negativ Liste), stellte einen Gutschein aus, versprach mir die mit bloßem Auge nicht zu erkennende Tasche bei der Zentrale in Paris zu bestellen und mich nach Einlangen zu informieren. Was es tat und was es sich dachte, waren genau umgekehrt gleich und erkennbar.
„Du armer Irrer, diese Tasche wollen wir nicht verkaufen, da kostet ja der Anruf in der Zentrale mehr, Du wirst diese Tasche niemals bekommen und wir werden dich auch ganz sicher niemals anrufen. Wenn Du das nächste Mal kommst wird dich niemand mehr bedienen und Du kommst in die Warteschlange der Chinesen.“

Genau so trat es auch ein – niemand meldete sich und als die beste Ehefrau von Allen nach einigen Wochen mal in Wien war kaufte sie sich einen Louis Vuitton Lederumschlag („sie sind die erste in Wien die dieses wunderschöne Teil besitzt“). Weil noch ein paar Euro übrig waren, bekam ich einen Stadtführer „Berlin“ von Louis Vuitton.

Der macht sich jetzt richtig gut auf unserer Gästetoilette.

 

Und demnächst mehr Kundenservice von apple und Fiat…

2 Kommentare

  1. Avatar von Georg

    Bin ja weiterhin ein begeisterter Leser deiner Texte- großartig – bloß die Feedback Mail könntest durch einen like Button ersetzen, dann muss ich nicht solche Romane schreiben. Ist ja dein Blog!
    Lg aus dem traurigen Wien vermisst dich!

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    1. Avatar von Jochen Maurer

      Danke für die Blumen!
      Gute Idee, ich kann es nur technisch nicht…LG aus dem einsamen Berlin

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