LEHRJAHRE SIND KEINE HERRENJAHRE…
…und die beste Ehefrau von Allen war gerade 7 Jahre alt, da begann meine Verkaufskarriere.
Ausgestattet mit 2 Hosen, 3 Hemden und einem Sakko startete ich meine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Waiblingen. Waiblingen eine mittelgroße Stadt im Speckgürtel von Stuttgart.
Der Ausbildungsvertrag beinhaltete einiges, z.B. 621 Deutsche Mark Lehrlingsentschädigung pro Monat. Deutsche Mark, für alle die der Generation Z angehören:
Die Deutsche Mark gerne auch D-Mark genannt, war die Nachfolgewährung der Reichsmark, wurde 1948 eingeführt und am 1.Januar 2002 zu Gunsten des Euros abgeschafft. 621 Mark, war damals viel und doch auch recht wenig. Das hat sich in Bezug zum Euro nicht geändert. Aber immerhin war die D-Mark über ganz viele Jahre eine in der Welt gern gesehene Währung. Aber das ist eine andere Geschichte, deshalb zurück zur Ausbildung zum Bankkaufmann und dem Einstieg in mein Berufsleben.
Um die folgenden Geschichten meines Berufslebens und die interessanten Veränderungen eines langen Berufslebens zu verstehen ist es wichtig ein paar Kleinigkeiten zu erfahren:
Neben dem Ausbildungsvertrag musste ich die Erklärung:
„Niederschrift über die Ablegung des Gelöbnisses nach §9 BAT – §9 Abs. 9 MTL II und die Verpflichtung nach § 1 des Gesetzes über die förmliche Verpflichtung nichtbeamteter Personen“ unterschreiben und geloben, dass ich mich insbesondere an:
– Verwahrensbruch
– Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes
– Vorteilsnahme und Bestechlichkeit
– Verletzung des Dienstgeheimnisses
– Verrat
– Gefangenbefreiung
– Verletzung des Steuergeheimnisses und
– das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im Allgemeinen
halten werde.

Diese Verhaltensweisen wurden uns regelmäßig, deutlich und ohne Kompromisse vermittelt. Es wurde ganz „normal“ sich ordentlich, ehrlich und vertrauenswürdig zu verhalten. Und trotz vielfältiger Möglichkeiten die sich in den letzten 40 Jahren geboten haben, habe ich mich immer wieder an mein Gelöbnis erinnert und mich daran gehalten.
„Maurer, Du wirst in Deinem Berufsleben einige nicht ganz legale Angebote zur schnellen Absicherung Deiner Pensionsvorsorge erhalten, nimm sie an und Du wirst nicht mehr ruhig schlafen können, schlag sie freundlich aus und Dein Leben wird in wesentlich ruhigeren Bahnen verlaufen“
Im Prinzip eine richtige Aussage, hätten sich alle Marktteilnehmer, insbesondere die Vorstände von großen deutschen Banken daran gehalten. Dazu aber in vielen späteren Kapiteln mehr.
Meine erste Lehrstunde in Sachen Loyalität erfuhr ich im Einführungslehrgang der während der ersten 2 Wochen der Ausbildung in einem Seminarhaus stattgefunden hat. Ein dem Fußball zugeneigter junger Mann trug voller Stolz seine Trainingsjacke die von einer, der Sparkasse in direkter Konkurrenz stehender Volks- oder Raiffeisenbank, mit einem recht großen Aufdruck versehen war.
Der Ausbilder, ich denke er hatte den zweiten Weltkrieg noch aktiv erlebt, machte in einer in Sprache und Gestik nicht zu überbietenden Weise klar, dass er diesen Fetzen, wenn überhaupt, dann nur in Ausübung seines Hobbies tragen darf. Sonst nicht, und zwar gar nicht und ganz besonders nicht wenn es sich um Arbeitszeit der Sparkasse handelt.
Heute würde dieser Ausbilder von sämtlichen Menschenrechtsorganisationen, der Gleichbehandlungsbeauftragten, den Eltern und wahrscheinlich auch von Fridays for Future dazu gezwungen werden sich zu entschuldigen, die Jacke für 3 Monate täglich zu tragen und er würde wahrscheinlich, unter Verzicht seiner Pensionsansprüche, entlassen werden. Damals war es so, dass der junge Mann sich innerhalb weniger Sekunden seiner Jacke entledigte, 2 Wochen fror und wahrscheinlich den Verein wechselte. Übertrieben? Vielleicht! Aber wie erwähnt, eine Lehrstunde für die Regel: Dessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe.
Die Ausbildung zum Bankkaufmann war wirklich Spitzenklasse!
In jeder Abteilung der Bank verbrachte ich 4 bis 6 Wochen. Wir lernten vom Giro- und Sparverkehr, dem Zahlungsverkehr, der Kreditabteilung bis zum Wertpapiergeschäft alle Arten des Bankgeschäfts kennen. Wir waren jede Woche 2 Tage in der Berufsschule und durften uns nach erfolgreicher Zwischen- und Lehrabschlussprüfung BANKKAUFMANN nennen.
Es war eine Zeit voller Regeln dafür ohne die Regeln der elektronischen Kommunikationsmedien. Die Börsen- und Devisenkurse haben wir gegen 13 Uhr im Radio verfolgt, mit der Schreibmaschine abgeschrieben, mittels Telefax in die Zweigstellen übermittelt und im Schaufenster ausgehängt. Und da standen Leute davor, die die Kurse abgeschrieben haben.
Kontoformulare, Anträge, Kredite, Sparbücher und Schecks (das war mal ein Zahlungsmittel) wurden mit der Schreibmaschine ausgefüllt und die einzig elektronische Hilfestellung war der Kassenautomat, der die Belege druckte und Buchungen auf Formular mittels Nadeldrucker schrieb.
Die Arbeitszeiten waren von 07:45 bis 12:15 (Öffnungszeiten 8:00 bis 12:00) und 13:45 bis 16:25 (Öffnungszeiten 14:00 bis 16:00) und einmal in der Woche gab es den „SchlaDo“ – scheiß langer Donnerstag, da war die Bank bis 18:00 geöffnet.
In Ermangelung von sozialen Medien, Smartphones, E-Mails, Laptops,… war die Zeit von 16:25 Uhr bis um 07:45 Uhr wirkliche Freizeit. Die Kollegen waren pünktlich, hielten sich an Vereinbarungen und Zeiten, waren selten krank – Belastungsstörungen habe ich in dieser Zeit nicht erlebt.
Mittags durfte ich für die großen Buben die Jause vom Pommes-Paule in der Bahnhofstrasse holen, bei großem Glück haben die mit mir geredet und an richtigen Feiertagen durfte ich mit ihnen in der Pause Karten spielen.
Neben der Tatsache, dass es eine geregelte und sichere Zeit war, haben wir natürlich auch versucht unseren Stil zu finden. Wir haben versucht die Regeln zu verändern und wir waren wild. Bei mir waren das in der massivsten Ausprägung weiße Schuhe, eine Dauerwelle auf die ich nicht sehr stolz bin, Hawaii Hemden und Cowboystiefel.
Mit Ausnahme der richtig geringen Lehrlingsentschädigung (die Miete meines ersten Zimmers kostete inkl. Nebenkosten 500 der 621 D-Mark) war die Ausbildungszeit wirklich große Klasse. Die Tatsache, dass ich beim Abgleich der sehr umfangreichen Jahresendlisten beim Vorlesen einmal eingeschlafen bin und mir nachgesagt wurde, dass ich so langsam durch die Schalterhalle ging, dass man mir unbemerkt die Schuhe stehlen kann haben meiner Karriere ebenso wenig geschadet wie der Tag an dem ich den Safe Schlüssel der mir anvertrauten „Ein-Mann-Filiale“ einen ganzen Tag nicht finden konnte und ich den Kunden kein Geld auszahlen konnte.
Zu erwähnen, dass ein Filialleiter eine scharfe Waffe in der Schublade hatte und den Safeinhalt im Papierkorb versteckte – „bevor ich ausgeraubt werde, erschieße ich die Schweine“ – hielt mich auch nicht davon ab die Ausbildungsprüfung zu bestehen, in den Dienst als Sparkassenmitarbeiter übernommen zu werden und meinen Weg als Banker zu gehen.
Auch wenn ich in den vielen Jahren meines Berufslebens immer wieder mit der Tätigkeit als Banker oder in Banken gehadert habe. Über alles gesehen, was dann noch so passierte und was ich erleben durfte, war diese Ausbildung der richtige Schritt für mich.
Ach übrigens:
1983 wurde Helmut Kohl zum ersten Mal deutscher Kanzler, die CDU erzielte bei der Bundestags Wahl 48,8% und die Grünen erreichten mit 5,6% ein für die damalige Zeit revolutionäres Ergebnis (+4,1%).
In Österreich löste Sinowatz Kreisky, der seit 1970 Kanzler war, ab und Major Tom war ebenso völlig losgelöst wie wir.

Der Beginn einer spannenden Geschichte
– mit dem Ziel der Unabhängigkeit,
die etwas wunderbares ist !
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