Die wesentlichsten Berufsjahre in Bezug auf Karriere und Institutszugehörigkeit habe ich bei „meiner Deutsche Bank AG“ gemacht. Als ich nach dem Zeitraum 1992 bis 2004, im Jahr 2015 zum zweiten Mal, meinen erlenten Beruf als Anlageberater, bei der Deutsche Bank AG in Wien angetreten habe, hat mir ein lieber alter Wegbegleiter zugerufen: „Bist endlich wieder zuhause, bei Deiner Bank, angekommen“.

Bei meiner Vorstellung im großen Kollegenkreis habe ich voller Freude mitgeteilt, daß beim Stechen in, meine vom Rauchen verstopften Adern, zuerst immer ein paar blaue Tropfen raus spritzen. Selten wurde ich so enttäuscht- einmal kann ich mich erinnern, da war mein FC Bayern im Champions League Finale und in den 5 Minuten der Nachspielzeit hat ein schmächtiger Nordländer ein Gefühl in mir ausgelöst, das ich relativ schnell auch im Jahr der Wiederkehr zur DB verspürte. Was hatte das Management aus einem ehemaligen, zumindest in Deutschland und Europa, führendem Geldhaus, gemacht? 7 Jahre lang war ich für ein dem Untergang geweihten Bankhaus unterwegs, doch selbst die haben in der Zeit größter finanzieller Schwierigkeiten, medialer Attacken und aufsichtsrechtlicher Prüfungen in das Geschäftsmodell und die technische Weiterentwicklung investiert und mit allen Mitteln um den Erhalt gekämpft. Dann der Wechsel zum selbsternannten Primus, bei dem „bring your own device“ neben Vielfalt in Bezug auf Herkunft, sexueller Orientierung und Glaubensrichtung, eine wichtige Strategie war. Du willst ein Tablet oder Smartphone benutzen? Bring dein Privates, wir setzen es so auf, daß Du es für die Arbeit benutzen kannst. Leider werden wir Dir alle sozialen Medien, whats app und noch ein paar andere Anwendungen aus Compliancegründen runternehmen, dafür bist Du dann aber mobil. Das war im Jahr 2015 und es war in Wien. Nicht 1990 und nicht in Timbuktu.
Wenn die einzige Strategie auf Probleme, die Senkung von Kosten , das Beibehalten von Vergangenem und/oder ein Verkauf der Unternehmung ist, dann kann das nicht lange gut gehen und wirft kein allzu gutes Bild auf Führung, Vision, Strategie und Motivation. Die Lösung mittels Kostenreduktion gesund zu werden ist offensichtlich auch weiterhinder die Heil bringende Vision den der CEO verfolgt. Ein Eigengewächs der Bank, der einen wirklich undankbaren Auftrag erledigen muss. Nun hat er entschieden, daß 18.000 Menschen in der Bank ihren Job verlieren müssen. 18.000 Menschen von denen die große Mehrheit niemals Kunden angelogen, betrogen, internationale Zinssätze manipuliert oder verbriefte Schuldverschreibungen emittiert und verkauft haben. 18.000 Familien mit großen Sorgen um die Zukunft, in einer Branche die wenig Zukunft hat. „#Danke Deutsche Bank“ titelte ein sehr erfolgreicher, relativ neuer Finanzdienstleister am Markt über die Freistellung der Mitarbeiter, Sicher in der Hoffnung den einen oder anderen IT lastigen Experten und das eine oder andere Talent gewinnen zu können. Für mich gilt: #schämt Euch Ihr gierigen und weltfremden Manager, die Ihr jahrelang gar nicht versucht habt den Kampf um Anstand zu gewinnen und Euch der Wettlauf um die Erträge und Performancekennzahlen die Grundwerte einer ehemals großartigen Bank vergessen gemacht haben.


Euer persönlicher Reichtum hat es Euch offensichtlich unmöglich gemacht das Unternehmen für die Zukunft auszurichten und kleine start-ups und Tech-Buden nehmen Euch dasGeschäft der Zukunft unwiederbringlich weg. Sollen Euch Eure Schlösser in Südfrankreich, Eure Segelyachten, Weinberge und andere Vergnüglichkeiten die Ihr Euch „verdient“ habt weiterhin viel Freude bereiten… Es ist eben viel einfacher Bücher über die Geschichte, den Anstand und die Werte eines Unternehmens zu schreiben und zu verlegen, als diese Werte und Inhalte zu lesen, verstehen zu wollen und auch zu leben. Als junger Anlageberater der Deutsche Bank AG -es war Mitte der 90iger Jahre -hatte ich einen Kunden der leitender Angestellter der Deutsche Bank AG in Asien war. Folgende Worte, die er mir als Rat mit auf meinen Berufsweg gab brannten sich dabei in meinen Schädel ein: „Maurer, es werden viele, sehr lukrative, unerlaubte Versuchungen auf Ihrem langen Weg in dieser Bank auf Sie warten, schlagen Sie diese immer und ausnahmslos ab. Wenn Sie einmal die Hand der Versuchung ergreifen gibt es keinen Weg zurück„. Ich habe mich daran gehalten und wünschte mir, dass sich noch viel mehr daran gehalten hätten. Jetzt werden 18.000 Menschen von einem CEO entlassen, der gleichzeitig kundtut, „dass die zwei Mitarbeiter“, die vergessen haben Ihren Termin mit dem Schneider, auf den man in London mehrere Wochen warten muss, zu verschieben, „meinen Anruf sicher nicht vergessen werden“. Was soll er auch sonst sagen, der arme Mann…. Ich könnte stundenlang weiter schreiben, aber da hebt es meinen Blutdruck zu sehr!