Fremd

Dass es in Österreich eine erhebliche Diskrepanz zwischen staatlicher Kinderbetreuung, gerne auch Schule genannt, und Ferien gibt, wird der besten Familie von Allen in fast allen Wochen des Jahres aufgezeigt. Sommerferien die länger dauern als eine durchschnittliche, österreichische Regierung, Schulwochen die von Ausflügen, Theaterbesuchen, Ski-und Schwimmkursen bestimmt sind, die allesamt bereits am frühen Nachmittag enden. Wer sein Kind nach 16 Uhr aus der, kostenpflichtigen, Hortbetreuung abholt erhält einen missbilligenden Blick. Wahrscheinlich ist das auch der Kleinstadt geschuldet, in der wir leben. Zum Glück können wir die 14 Ferienwochen die es in Österreich gibt mit externer und interner Betreuung abdecken. Die Kosten dafür werden dabei leider nicht immer von den Finanzlern berücksichtigt. Die erste Ferienwoche waren die besten Mädchen von Allen bei den Großeltern an der kroatischen Küste. Zum Glück sind „baki“ und „dida“ noch rüstig genug um unsere Wirbelwinde im Griff zu haben. Am Wochenende haben wir sie abgeholt. Mitten im Hauptreiseverkehr ist es klasse wenn man den einen oder anderen Schleichweg kennt und Grenzübergänge abseits der regulären Strecken benutzen kann. Eine Grenze, die eigentlich gar keine mehr ist befindet sich 1368 Meter über dem Meeresspiegel. Die Höhe und der mangelnde Sauerstoff sind es wahrscheinlich auch, die den Grenzpolizisten und den Soldaten die dort den Dienst versehen gerne mal den Geist vernebeln. Zuerst stellt sich mir die Frage warum nur die Einreise nach Österreich kontrolliert wird. Wahrscheinlich gibt es einfach mehr Armut und Kriminalität die nach Österreich einreisen will als nach Slowenien. Dabei hat Slowenien gar keine EU Außengrenze – Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien sind die Länder die an Slowenien grenzen. Ganz besonders interessant, daß man ohne Reisepass in Richtung Süden fahren kann, bei der Rückfahrt dann aber jeder kontrolliert und bei fehlendem Auweis oder Pass ein kleines Bußgeld erhoben wird. So passiert am Samstag Abend 22 00 Uhr im Auto vor mir. Der Fahrer des schnittigen Coupés musste einen 50 Euro Schein, seine Zulassung und den Führerschein in die Grenzbox geben. Das Geld blieb in der Box, die Papiere bekam er zurück. Ich erlaubte mir die Polizistin kurz nach dem Grund für die Strafe zu fragen und bekam folgende, in Kärntner Dialekt vorgetragenen Erklärung: „Der Herr hatte keinen Pass bei sich und mußte daher ein Bußgeld in der Höhe von 50 Euro bezahlen, bei einem Fremden, so wie Sie das sind (sie hatte meinen deutschen Reisepass in der Hand) wären für dieses Vergehen 100 Euro fällig. 30 Jahre sind es nun, daß ich in die Sozialsysteme dieses Landes einzahle, länger wahrscheinlich als dieses „ausführende Organ“ überhaupt schon mehr als ein Zellklumpen ist und immer noch bin ich kein Europäer sondern ein Fremder. Irgendwas läuft hier nicht ganz richtig und das liegt eben nicht an dem Sauerstoffmangel in 1368 Meter Höhe.

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