Leute, Leute, Leute.
Was ich alles erleben darf. Vergangene Woche war ich eingeladen zu einer Podiumsdiskussion „100 Jahre Frauenwahlrecht“.
Um es ganz kurz zu machen: Nach dem Podiumsvortrag habe ich mich an die Einladende gewandt und meinen letzten verbliebenen, durch drei Gläserl Weißwein etwas verstärkten, Mut zusammengekratzt und die Frage gestellt die den Inhalt am Besten beschreibt:
„Was habe ich Dir angetan, daß Du mich zu einem solchen Event einladen tust?“ – Die erste Antwort war eine rhetorische Pause, die mir zugegeben Angst machte. Zusätzlich fühlte ich ein paar Messerstiche im Rücken und einige Männeraugen die mich halb bewundernd und halb ängstlich anblickten.
Antwort Nummer zwei von der Einladenden nahm mir dann ene gewisse Spannung und wir beschlossen, daß nicht alle Frauen die an diesem Abend anweend waren dem Bild der Vortragenden entsprechen.
Ich nahm noch ein Gläschen und wurde am Weg zum Ausgang von einer Kleingruppe mit der Frage „Wie hat es Ihnen gefallen aufgehalten“
Na gut – lügen und dafür schnell nach Hause Fußball schauen oder die Wahrheit sagen und Gefahr laufen aufgehalten zu werden. Wer weiß welch großer FC Bayern München Anhänger ich bin, weiß nun wie sehr ich mich dazu zwinge ehrlich zu sein.
Nicht alle Damen der Kleingruppe hatten zu Beginn meiner Ausführungen das notwendige Verständnis, vielleicht hatte ich auch schon einen Zungenschlag, in jedem Fall fragte ich in die Runde warum Frauen die eine Frauenposition vertreten entweder extrem belehrend, mit bunten, großen Accessoires versehen, oder angriffslustig sind. Dazu mehr von Ihrem Leben und Ihren Erfolgen als sachlich vom Thema reden.
Wenn Körpersprache, Betonung und Optik dazu führen, daß der beste Ehemann von Allen, der wirklich interessiert war, so die Lust am Zuhören verlor… ich war der Kleingruppe, die nach meinem ersten Statement noch kleiner wurde nicht ganz geheuer.
Lebensrettend, wenn man Österreicher zu sein und den Schmäh gelernt hat. So gelang es mir unverletzt und pünktlich zur Zusammenfassung des Null zu Null, versehen mit einem leichten Damenspitz, ins Berliner Heim zu kommen.

Ach übrigens:
noch besser als dieser Abend ist der Berliner Umgang mit Feiertagen. Während so gut wie alle christlichen Feiertage, mit Ausnahme von Weihnachten und dem 1.Mai in Berlin nicht stattfinden, hat der Berliner Innenausschuß einen neuen Feiertag definiert.
Es ist nicht Maria Himmelfahrt und auch nicht der Karfreitag, es ist auch nicht das orthoxe Weihnachts- oder Neujahrsfest.
Es ist der Weltfrauentag.
Als erstes und einziges Bundesland in Deutschland wird dieser Tag bereits ab 2019 ein arbeitsfreier Tag sein und zwar für Frauen, Männer, und das dritte Geschlecht. Und wieder verhelfen uns die Frauen dazu, daß es uns Männern besser geht. Alles das was ich am Podium gehört habe – Männerseilschaften, Männer fördern Männer, Männer stellen aus Angst keine Frauen ein, die Hälfte der Abgeordneten im deutschen Bundestag sollen per Gesetz Frauen sein, Männer profitieren davon daß sie keine Erziehungszeiten haben, Männer profitieren von Frauen…
Mit einem Feiertag alles kaputt gemacht. Die schöne Arbeit um Gleichstellung und Wahrnehmung – futsch – und in einigen Jahren werde ich bei einer Diskussion hören, daß es sehr ungerecht ist, daß alle am 8.März frei haben. Dann wahrscheinlich auch noch das vierte, fünfte und sechste Geschlecht.
Wir feiern die Frauen am 8.März und am Muttertag und wenn wir einigermaßen bei Verstand sind, dann machen wir das auch noch an den restlichen 363 Tagen.
