Keine Macht für Niemand

Vergangene Woche war ich mal wieder auf Österreichs Autobahnen unterwegs. Die Anlässe Auto zu fahren werden immer seltener und irgendwie fehlt mir die Behaglichkeit des faradayschen Käfigs schon und doch auch wieder nicht.
„Autostehtstill“ statt Automobil heißt das schönste Auto von Allen. Würden wir ausschließlich in einer Großstadt wie z.B. Berlin leben, wären wir wahrscheinlich Nutzer der vielfältigen alternativen Fortbewegungsmittel. Ausnahme: auf ein Fahrrad würde ich mich im Großstadtdschungel ganz sicher nicht setzen!
Da die beste Familie von Allen aber Ihren Lebensmittelpunkt in einer beschaulichen Kleinstadt hat, halten wir am klassischen Mobilitätsbild fest. Ein Kleinwagen um innerstädtische Wege zu erledigen, eine Familienkarre um Überland zu fahren.
In einer Stadt in der der öffentliche Nahverkehr, außerhalb der stark bewohnten Gebiete, so gut ausgebaut ist wie in der afrikanischen Steppe und Taxifahrer Arbeitszeiten haben wie öffentlich Bedienstete, ist unser Mobilitätskonzept wahrscheinlich alternativlos.

Manchmal ist es aber wirklich schön den Motor zu starten und ein wenig rumzufahren. Dabei gibt es allerlei Interessantes zu beobachten.
Besonders angetan hat es mir die aktuelle Werbung des österreichischen Verkehrsministeriums.

„Drogen am Steuer sind nach wie vor eine immense Gefahr im Straßenverkehr. Eine neue Kampagne des Verkehrsministerium soll nun mehr Bewusstsein dafür schaffen. Mit der wissenschaftlichen Unterstützung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) sollen ab Oktober eine Informationskampagne, verbesserte Schulungen der Exekutive in der Drogenerkennung sowie der optimierte Einsatz von Drogenvortestgeräten dazu beitragen, Verkehrsunfälle auf Österreichs Straßen zu reduzieren.

Bereits im Vorjahr hat der KFV bei einer Dunkelfeldstudie herausgefunden, dass hochgerechnet rund 177.000 Österreicher bereits unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug gelenkt haben. In einer Befragung unter 1.000 Lenkern gaben damals vier Prozent an, sich im vergangenen Jahr nach der Konsumation von Drogen ans Steuer gesetzt zu haben.“

Soweit die Erklärung auf der Homepage des Verkehrsministeriums, doch dann kommt es noch besser!

„Es ist wichtig die Zahl der Drogenlenker zu reduzieren. Zur Erreichung dieses Ziels muss ein treffsicheres System geschaffen werden, wie es bei Alkohol schon seit Jahren besteht“.

Aha. Bei Alkohol besteht also ein treffsicheres System zur Vermeidung von Fahrten unter Alkoholeinfluß.
Seit 1983 habe ich meinen Führerschein, Anzahl der persönlichen Kontrollen bis heute:  0 oder in Worten Null.
Schade, daß ich nicht öfters Lotto gespielt habe, denn bei dem bestehenden, treffsicheren System, habe ich in den vergangenen 35 Jahren mehr als Glück gehabt. Oder vielleicht doch nicht?

Anstatt die Säufer endlich mit dem gleichen Stigma zu belegen wie z.B. die Raucher, springen unsere leicht gestrig angehauchten Verwalter auf den drohenden Zug der Liberalisierung von pflanzlichen Drogen und zeigen der breiten Öffentlichekit mit Plakaten neben der Autobahn wie gefährlich das Lenken eines Autos unter Drogeneinfluß ist. Neben der Autobahn… Ich führe mir mal eben die Bilder von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Die beste aller Welten“, „Breaking Bad“, usw. vor Augen.
Menschen die sich aus Verzweiflung oder Sucht ins Land der Träume beamen, stehen auf, setzen sich in ihr Auto und fahren mal eben über die Autobahn um Verwandte und Freunde zu besuchen…
Jaja, das passiert sehr oft und ist sicher eine viel größere Gefahr als der Stammtischbruder der sich nach ein paar Litern Bier, Wein und ein paar Kurzen zum Auto tragen lässt um seine Freunde heimzubringen.
Don´t drink and drive habe ich schon lange nicht mehr gesehen und Warnhinweise auf Schnapsflaschen oder grausame Bilder von Leberschäden, Schapsnasen oder verprügelten Familienangehörigen auf Wein-und Bierflaschen – Fehlanzeige.

Drogen = Gefahr !! Das ist richtig. Aber bitte nicht von den wirklich großen (Anzahl) Gefahren ablenken. Danke

 

 

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