Auch wenn ich das Bankgewerbe mit einem Strahlen im Gesicht verlassen habe, gibt es tief in mir immer noch eine gewisse Bindung. Eigentlich kein Wunder, 34 Jahre war ich der Branche mit Herz und Leidenschaft verbunden.
Zwar werden die Tage weniger an denen ich mit die aktuellen Börsenkurse, trotzdem möchte ich das Gefühl für den Markt nicht verlieren.
Und es tut gut auf der andern Seite zu stehen.
Der DAX in Folge 4 mal schwächer, Widerstandslinie in Gefahr, Durchhalteparolen von Bankanalysten, Italien, Griechenland und Eurokrise, Merkel, Trump und Erdogan. Die Nachrichten sind weiter wichtig doch die Auswirkungen eher weniger.
Natürlich ist der Seitenwechsel auch damit verbunden die Anlageklasse „Stein und Boden“ mit ganz andern Augen zu sehen.
Die früheren Argumente Häuser und Grundstücke aufgrund der Illequidität oder den niedrigen Renditen, der Auseinandersetzung mit Mietern und dem Risiko von Leerständen eher schwächer zu gewichten sehe ich ohne dem Zwang Wertpapierprodukte verkaufen zu dürfen mit anderen Augen.
Stein bleibt Stein und Quadratmeter bleibt Quadratmeter, die oben beschriebenen Nachteile bestehen den Stresstest gegenüber Bärenmarkt, ifo-Index, Volatilität und Negativzinsen einigermaßen gut. Investoren die sich gute Anlageobjekte in ihre Strategie nehmen und diese eventuell sogar zu Lasten von Wertpapierprodukten übergewichten haben eines ganz sicher nicht – Schlafstörungen…
Diese Schlafstörungen hatte ein junger, großer und durchaus als beleibt zu bezeichnender Herr am Montag morgen um 6 Uhr auch nicht.
Kaum saß das fettgewordene Etwas auf 21B im Flugzeug neben mir, fiel jegliche Körperspannung von ihm ab und die gesamte linke Schwabbelseite inklusive Ellenbogen, Knie, Oberschenkel und penetrantem Jean Paul Gaultier Duft ergoß sich über mich. Kleiner Nebensatz am Rande – die Bestuhlung der Flugzeuge auf den kurzen innerösterreichischen Strecken erfordern wirklich Rücksichtnahme, sowohl nach vorne, aber auch zur Seite entspricht der Platz ungefähr der Größe eines ipads der ersten Generation.
Die Rücksichtnahme fehlte dem Affen. Immerhin hat er oder sein Arbeitgeber für das Ticket bezahlt, da kann man sich ruhig schlecht benehmen.
Sämtliche zaghaften Versuche das schlafende Monster ohne körperliche Gewalt zu wecken scheiterten. Genüsslich pfiff es vor sich hin.
Um 04:20 Uhr aufgestanden, nur einen Kaffee und ein knapper Anschluß nach Berlin – dazu der Gestank und der Druck von rechts – meine Laune fiel in jeder Minute um einige Prozentpunkte.
Doch dann wurde mein Geist hellwach…
Die Luftdüsen in den alten Nachkriegspropellorbombern der AUA lassen sich relativ gut und weit verstellen. Meine Miene erheiterte sich bereits beim Einstellen meiner Düse in Richtung schlafendes Monster.

Beim öffnen der Lüftung verspürte ich einen eiskalten Wind der mir ein wohliges Schauern lieferte. Wie lange wird es dauern bis es munter wird und was wird es tun? (und die Einwandvorwegbehandlung…was werde ich tun) Allein das Gedankenspiel machte mich happy. Dann begann das Monster sich zu bewegen. Zuerst ein ungutes Grummeln wie von einem Bären dessen Winterschlaf beendet wird, dann das Reiben der Augen und des Wamstes, zum Schluß ein fast schon erschreckter, ungläubiger Blick zu meiner Düse, die, im Gegensatz zum Start, Halbgefrorenes, volle Kanne und direkt auf ihn ablud.
In der Zwischenzeit hatte ich mir meinen BOSE Kopfhörer aufgesetzt und „bemerkte“ das immer kleiner werdene Monster nicht. Erst als er mich sanft antippte, seine Lippen auf mein fragendes Gesicht zum zweiten Mal „Können wir die Düse bitte schließen“ anzeigte, zuckte ich gleichgültig mit den Schultern und wendete mich wieder Wichtigerem zu.
Schnell wurde es wieder wärmer in Reihe 21, und wie durch ein Wunder kam Mr Big mit dem Ipad Sitzplatz bis zur Landung zurecht.
Eine kleine Lehrstunde in Sachen Zurückhaltung und Rücksichtnahme,
Fliegen ist Schleichen im Kopf.