Der Ort an dem eine Straftat begangen wurde… Sonntag 20:15 Uhr, Tatort

Ich bin jemand der sich gerne erinnert. Vielleicht nennt mich der Eine oder die Andere einen ewig Gestrigen, einen der nicht mit der Zeit geht oder die neue Zeit nicht versteht. Stimmt gar nicht. Ich liebe die neue Zeit, denn es gibt ja keine andere. Das Leben und die stetige und schnelle Veränderung unsere Gesellschaft sind großteils alternativlos. Trotzdem ist der Blick zurück in eine Zeit in der geschriebene Worte nicht mit einem Wisch verschwunden waren, eine Zeit in der selbst der Bankmitarbeiter im Archiv Krawatte trug und Freundschaften für ein Leben hielten lohnenswert.
Die Rückbesinnung auf ein wesentlich langsameres Leben mit deutlich geringeren Ansprüchen.
Manchmal blicke ich aber auch ungewollt und mit wenig Lust in die Vergangenheit. Bilder aus dem Dritten Reich stehen dabei ebenso wenig zu meiner Favoritenliste, wie die Konfrontation mit den Terroristen im Deutschland der 70 iger Jahre.
Am Sonntag Abend war es leider soweit. Die schönsten Mädchen von Allen waren gebadet, gefüttert und in ihren hoffentlich seligen Träumen.
Zeit für eine der Traditionen, die die Woche eines Deutschen ausklingen lassen.
Es ist TATORT Zeit. img_0248Seit November 1970 jagen verschiedene deutsche (und zwei österreichische) Kommissare mit mehr oder weniger Erfolg und mit mehr oder wenig Unterhaltungswert am Sonntag Abend um 20:15 Uhr den Ganoven nach.
Selbst die beste Ehefrau von Allen konnte ich davon überzeugen, dass Dr.Börne, Ivo Batic, Ballauf und Schenk so gut wie feiner französischer Käse nach einem guten Essen sind.
Mit dem Abspann um 21:45 Uhr schliesst sich der Vorhang der Woche und ein paar Stunden später übernimmt wieder der Alltag die Regie im Leben.
Diesen Sonntag war wieder ein Tatort aus meiner alten Heimat Stuttgart zu sehen. Vor wenigen Wochen verwandelte sich ein Stau langatmig in ein Ermittlungsszenario. Diesen Sonntag mussten Richie Müller und sein Kollege an die ganz schwere Aufarbeitung jüngerer deutscher Geschichte gehen.
img_0245Ein Mord im Umfeld der RAF – Terroristen.
RAF, die Rote Armee Fraktion, am Anfang „Baader-Meinhof-Bande“ genannt, war eine linksextremistische terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie war verantwortlich für 33 Mord an Führungskräften in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, deren Fahrern, an Polizisten, Zollbeamten und amerikanischen Soldaten sowie für die Schleyer-Entführung, mehrere Geiselnahmen, Banküberfälle und Sprengstoffattentate mit über 200 Verletzten. Durch Fremdeinwirkung, Suizid oder Hungerstreik kamen 24 Mitglieder und Sympathisanten der RAF ums Leben.

Die RAF, in ihrem Selbstverständnis eine kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla nach südamerikanischem Vorbild ähnlich den Tupamaros in Uruguay, wurde 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet. Die Anzahl der Mitglieder aller drei Generationen der RAF betrug zwischen den 1970er und 1990er Jahren zwischen 60 und 80 Personen. Ab 1970 kooperierte die RAF mit palästinensischen, später mit französischen, italienischen und belgischen Terrorgruppen
.img_0247

Die Geschichte einer der schwersten gesellschaftlichen Krise der damaligen BRD nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Sonntag Krimi zu erzählen ist wie Schindlers Liste oder Anne Franck zum 5 Uhr Tee zu servieren.
Keine leichte Kost.
Was mich am Sonntag Abend aber wirklich betroffen machte war meine Sprach- und Wissenslosigkeit auf die Fragen der besten Ehefrau von Allen nach dem wann, warum und den Details.
Mit ein wenig Nachdenken erinnerte ich mich noch an die Bilder und ein Buch, das im elterlichen Bücherregal stand. „Briefe an die Familie Schleyer“ – Bedrückende Kondolenzbriefe… Für weitere Details konsultierte ich Dr.Google und stellte fest, dass die Zeit in der wir leben vielleicht doch gar nicht so schlecht ist.

Hinterlasse einen Kommentar