Waschraum

FliesenAls sich im Spätherbst 2010 die zweite, beste Tochter von Allen ankündigte veränderte sich viel und sehr schnell. Nach der ersten Glück – Schock – Glück – Schock – Glück  – Phase startete das Projekt Vergrößerung. In einem verhältnismäßig gleichen Anteil wuchs der schönste Mamakörper von Allen, mit der Größe des Kinderwagens, dem Familienauto, der Anzahl der vorbereiteten Schlafplätze und den Besuchen der Baka (kroatisch für Oma).
Leider überproportional wuchs auch die Leibesmitte des stolzesten Vaters von Allen.
Allein die Episoden rund um den Kinderwagen (bugaboo donkey) und den donkeyFamilienwagen (Mercedes E Kombi) wären Stoff für eine Komödie am Samstag Abend.
Prime Time!
Wie bei fast allen schwangeren Paaren stellt der Nestbau, also die zukünftige Wohnsituation ein zentrales Thema bei der Ablenkung von der Schwangerschaft dar.  So auch bei uns.
Grundstücksuche und Kauf, Finanzierung, Recherche nach einem leistbaren und zügig liefer- und baubarem Haus, Raumplanung, Innenausstattung, Böden, Elektrik, Licht, Wasser und die Badezimmer. Wäre diese Zeit eine Reality Soap gewesen, die Redaktuere hätten sich keine größeren Gemeinheiten einfallen lassen können…
Ein Projekt in Belgrad für Papa den Baumeister, die Planungsfirma mit Sitz und Koordination in Wien, eine Baufirma kurz vor der Pleite, ein Zimmermann in der Pleite, ein Baby und viele kleine Gemeinheiten die schnell zu lösen und zu entscheiden waren. Gut wenn man Freunde hat die helfen. Ein Kleinunternehmer mit Wurzeln aus der Heimat der besten Familie von Allen, half uns fast täglich mit Kontakten und tatkräftiger Unterstützung. Ohne diesen Engel würden wir, aufgrund totalem persönlichen Akkuausfall, wahrscheinlich heute noch in einem etwas besseren Rohbau wohnen.
Wo gehobelt wird, da fallen allerdings auch Späne. Eine Niete hatten wir dabei. „Badezimmerausstattung…Super Angebot“ aus Italien, dem Land in dem nicht nur Schönheit und Stil zu Hause sind, sondern auch Keramik auf den Bäumen wächst.
„Top Qualität zu OBI Preisen“ Einbau inklusive. Der Schwabe greift zu…
An einem späten Abend im Oktober kam ein LKW in unsere kleine Gasse. Etwas zwielichtig erscheinende Gestalten luden zügig und entschlossen Badewanne, Duschtassen, Amaturen und Fliesen schnell in die Garage.
Wenige Minuten später stand ich stolz wie Oskar vor dem Berg Nasszellen Material.
Der Einbau verlief gut und Zeit gerecht, zum Einzug am 23.12. war alles fertig.
5 Jahre später zeigen sich Produktmängel des Kaufs vom LKW und die etwas zeitkritische Planung hat Spuren hinterlassen.
„Zeit für ein neues Bad“ habe ich vor einigen Wochen gehört und ignoriert. „Zeit für ein neues Bad“ schallte es seither regelmässig durch die schönen Hallen. Die Möglichkeit die Rufe zu ignorieren hoffnungslos.
Und jetzt ist es so weit, die Waffen sind bereit gelegt. Hammer und Stemmeisen warten darauf am Donnerstag und Freitag zum Glühen gebracht zu werden. Ich darf das Badezimmer in den Rohzustand zurückversetzen, damit in den Sommerferien die Profis eine Wellness Oase daraus machen können.
Ein Ende der Wellness Oase „Bankangestellter“ zeichnet sich derweil in Italien ab.
Gegen den Widerstand des EU Parlaments übernimmt die Bank Intesa Sanpaolo zwei norditalienische Banken (Veneto Banca und Banca Popolare die Vicenza) um einen Euro oder vielleicht zwei. Der Staat unterstützt die Rettung, entgegen den Regeln der Bankenunion, mit 17 Milliarden Euro. 600 der 960 Filialen werden geschlossen, 3.900 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. 5 Milliarden Euro werden für die Abfindungen der Mitarbeiter aufgewendet, die übrigen 12 Milliarden Euro werden benötigt um faule Kredite der Banken abzuwickeln. Krise
Mit der Übernahme würden „schwere soziale Folgen“ vermieden – ohne Rettung wären die Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza pleite gegangen. Ihr Engagement sichere Arbeitsplätze, die Ersparnisse von zwei Millionen Haushalten und die Geschäfte von 200.000 Unternehmen – und damit die Arbeitsplätze von drei Millionen Menschen in der Region.
Gut für die Menschen und das ist wichtig und richtig!
Allerdings fragt man sich schon was die Tinte auf dem Papier der EU eigentlich wert ist? Es scheint so, dass das Versprechen, dass künftig nicht mehr der Steuerzahler für marode Banken in Haftung genommen wird, mit dieser Nacht- und Nebel-Aktion ein für alle Mal hinfällig ist.
Besonders pikant ist, dass es in Italien weitere 700 Banken gibt bei denen das Kreditgeschäft ähnlich offensive durchgeführt wurde. Experten schätzen das Kreditvolumen auf 360 Milliarden Euro, von denen ca 20% faul sein dürften. Das wären immerhin 72 Milliarden Euro Bedarf zur Kapitalisierung…

Bonna Notte – meine neuen Fliesen kaufe ich trotzdem wieder in Italien und hoffe, dass das neue Badezimmer so nachhaltig ist wie die Kilos die ich in Schwangerschaft Nummer zwei zugelegt habe.
Fliesen

 

Hinterlasse einen Kommentar