Mykita 

Zum Vatertag haben mir die besten Mädchen von Allen einige wirklich schöne Bilder gemalt, gebastelt und mit Hilfe Ihrer Mutter meine Lieblingsschokolade erstanden.
Weisse Schokolade mit Krokant vom Zotter – richtig gut. Und weil ich scheinbar wirklich ein Guter bin und meine Toni schon lesen kann gab es noch die Edition dunkle Schokolade mit Whisky „Für den besten Papa der Welt“ dazu. Die Kombi Alkohol und Schokolade schmeckt mir zwar nicht,  gefreut habe ich mich aber so was von…
Und dann war da noch die Idee, dass der Papi eine neue Sonnenbrille braucht. Diese Idee entstand aber eher nicht der Phantasie der kleinen Mädchen. Zum Glück war ich in diese Pläne nicht eingeweiht, denn sonst hätte ich nicht mehr schlafen können. Für mich kostet ein Haarschnitt 15 Euro, eine blaue Blue Jeans Hose maximal 100 Euro und eine Sonnenbrille zu haben, reicht allemal aus.
Ich bekam auf jeden Fall eine Neue, so weit ich weiß von einer Marke die nach dem Gründer einer traditionsreichen amerikanischen Automarke, oder seinem Sohn, benannt ist. Schönes Modell, braun, ein bischen wie eine Wayfarer nur mit einem  zusätzlichen Bügel, der die beiden Gläser verbindet. Und wie bei nahezu allen Sonnenbrillen des Jahres 2017 sind die Gläser so groß wie die Augen von Puck der Stubenfliege und die ganze Brille ist exakt und gerade ausgerichtet.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Designer von Brillen in diesem Jahr den Spruch „Der hat ein Brett vorm Kopf“ als Motto ausgerufen haben. Keinerlei Rundung, steif wie sonstwas, richtig schwer und wenn man sich in den Spiegel schaut, erblickt man auf Augenhöhe ein Brett mit farbigen Gucklöchern.
Natürlich habe ich mich riesig über das Geschenk gefreut, an mir gefallen hat es mir nicht. Weil die beste Ehefrau von Allen mich und meine nonverbal Kommunikation leider viel zu gut kennt, gab sie mir zu verstehen, dass ein Umtausch durchaus im Bereich des möglichen kommen könnte.
Die Chance nutzte ich vergangenen Samstag. Wie schon beschrieben habe ich mich locker lässig mit Flip Flops und meinem Camouflage Helm auf die Vespa geschmissen und bin vorsichtig, zaghaft in die Stadt gerollert.
Im Optikgeschäft, der Wahl meiner Frau,  „das Meisterstück“ dessen Internetauftritt folgendes verspricht…

„Unser Showroom ist voll von handverlesenen Brillenfassungen der angesagtesten Designer und Brillenmanufakturen. Aber das sind einfach nur sehr schöne Gegenstände, bis sie in deinem Gesicht zu einem Meisterstück werden. Die optimale Form, hochwertiges Material, höchste Präzision in der Verarbeitung und individuelle Anpassung auf dein Gesicht – sind für uns ganz selbstverständlich.  Wir legen all unsere Erfahrung und Handwerkskunst zusammen mit viel Einfühlungsvermögen und Leidenschaft für das Schöne in unser Meisterstück – deine neue Brille!“


…fühlte ich mich gleich so richtig unwohl. Selbst schon seit ein paar Monden im Vertrieb tätig, trage ich generell ein gewisses Misstrauen gegenüber den Damen und Herren Fachverkäufer in mir. Besonders dann wenn diese ganz besonders lässig, detailverliebt und selbstgefällig daherkommen.
Zuerst fand der nette Mann, dass die Brille die mir meine liebe Frau ausgesucht hatte, auch seine erste Wahl für mich ist. Kurz kam ich ins Wanken. Sowohl die Person die mich am Besten kennt, aber auch die Person die mich überhaupt nicht kennt, finden dass sie die Brille zu mir passt. Das Wanken hielt nicht lange an, ein Blick in den Spiegel und ich wusste dass ich zumindest mit einer Gutschrift nach Hause gehen würde.
Doch dann ging der Zauber erst so richtig los. Ich probierte gefühlt mehrere Dutzend Mal die gleiche Brille, die sich nur durch die Größe und die jeweilige Werbeaufschrift auf den Bügeln unterschieden. Christian, Jimmy, Tom, Ray und zig andere Vornamen, Firmen von denen ich glaubte sie stellen Daunenjacken, Jeans oder Autoreifen her. Am Ende blieben zwei Modelle übrig.  Schlicht, leicht und ein wenig gebogen. „Eine der beiden würde ich nehmen, wenn ich nichts aufzahlen muss“ flüsterte ich dem Verkaufspersonal, das sich schon in 2er Reihen um mich bemühte, zu.
Dann der Schock . “ Für dieses Modell müssen Sie 69 Euro aufzahlen“  – „Eine Sonnenbrille die fast 200 Euro kostet?“  – „Nein, mein Herr, dieses Modell kostet 349 Euro.“
Für einen sehr langen Bruchteil einer Sekunde hatte ich ein multiples Organversagen.  Alle meine lebenswichtigen Organe verwandelten sich in Galle. In meinem Kopf war Silvester. Mein Geist schwebte über meinem bewegungslosen Körper und der Geist hörte wie die Zellhülle folgende Worte stammelte:
„Wissen Sie eigentlich, dass nahezu alle Ihrer Sonnenbrillen von einem italienischen Unternehmen entweder direkt oder in Lizenz hergestellt werden. LUXOTTICA, Mailänder Wurzeln, in der Zwischenzeit weltweit tätig. 82.000 Mitarbeiter und ein Umsatz im Jahr 2016 von über 9 Milliarden Euro und ein Nettoergebnis von fast einer Milliarde Euro. Über 20% Plus für die Aktionäre in den letzten 12 Monaten. Kein Wunder bei den Preisen.“
„Dafür kaufen Sie ja auch kein in China hergestelltes Graffel“
Mir blieb die Spucke weg. 6 Produktionsstätten in Italien stehen 3 in China, eine in Brasilien, eine in Indien und eine in den USA gegenüber.
5.000 Schilling für eine Sonnenbrille die ich nicht brauche und dann noch Werbung für irgendeinen Modemacher? Nein danke.
Meine Wahl fiel auf eine der wenigen Brillen die sich von dem ganzen anderen Modedreck unterschieden. Leicht, gebogen, keine Schrauben und irgendwie besonders. Zwar genauso teuer,  aber ich hatte den Namen vorher weder gehört noch gelesen. MYKITA, ein Hersteller von Brillen aus Berlin. 6b-mykita-campaign-2017-no1-sun-brody-rgb-300
Wenn schon so viel Geld unnötig ausgeben, dann für ein Stück aus einer kleineren Manufaktur, ohne Werbung am Bügel und dem Gefühl der Besonderheit und einer gewissen Genugtuung eine eigene Entscheidung getroffen zu haben. MYKITA UND BERNHARD WILHELM
Bei aller Kritik an der Beratung und dem beinahe Monopol von Luxottica. Wer sich seine nächste Sonnenbrille am Kapitalmarkt verdienen will könnte sich ja mal die Aktie ansehen…
Luxx

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