Lesen bildet und Lesen kann helfen persönliche Entscheidungen zu treffen. Seit gestern weiß ich, dass ich in den nächsten 100 Jahren sicher nicht nach Bangladesch oder Vietnam reisen werde. Ägypten könnte für eine Reise durchaus in Frage kommen.
Meine persönlichen Reiseplanungen beruhen dabei nicht auf irgendwelchen Berichten im GEO oder den Reisewarnungen von Botschaften, sondern auf einem Artikel im „New England Journal of Medicine“.
Trotz regelmäßigem Sport (Kardio und Kraft) und dem Versuch Glucose, Fructose, Laktose, Maltose, also Zucker, zu umgehen, sind da einfach noch ein paar Einheiten „bester Ehemann von Allen“ zu viel vorhanden.
Während ich mich und meine überschüssigen Pfunden in Ägypten hinter rund 35% der Bevölkerung verstecken könnte, wäre ich in Bangladesch oder Vietnam, neben ein paar Touristen, der einzig „Gwamperte“.
35% der Bevölkerung in Ägypten gelten nach dem Body Mass Index als fettleibig (Definition: BMI größer 30). In den beiden genannten asiatischen Ländern sind dies gerade mal 1,6% bzw. 1,2% der jeweiligen Bevölkerung.
Auch wenn der BMI nicht immer als grundsätzlich richtige Maßeinheit herangezogen werden kann, gibt er einen guten statistischen Überblick über den Kalorienaufnahmeüberschuß einer Gesellschaft. Gehört man nämlich nicht zu der Minderheit von Zehnkämpfern, Body Buildern, den Drüsenkranken oder den Menschen mit „schweren“ Knochen, zeigt der BMI schon eine Tendenz auf.
Berechnung: Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Qaudrat der persönlichen Größe in Meter – ein BMI im Bereich von 18,5 bis 25 ist „normal“ unter 16 darf man sich Hungerhaken nennen und über 30 hat man wirklich schwere Knochen.
Die Studie zeigt, dass sich die Anzahl von Menschen mit einem BMI über 30 hat von 1980 bis ins Jahr 2015 verdoppelt hat. Rund 2,2 Milliarden Menschen, also rund jeder Dritte, sollen weltweit übergewichtig sein.
In Österreich sollen 23% der Männer und 24% der Frauen unter der übermäßigen Ansammlung von Fettgewebe „leiden“. Also rund ein Viertel der Bevölkerung eines Landes läuft Gefahr durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes, Bluthochdruck Ihr Leben deutlich zu verkürzen.
Da ich seit Monaten am eignen Leib erfahre, wie schwer es ist den Teufelskreis von zu viel Kalorienaufnahme im Vergleich zum Kalorienverbrauch („Kalorien – das sind die kleinen Tierchen die die Kleidung enger nähen!“) zu durchbrechen, liegt es mir fern den Zeigefinger zu heben…
Einige interessante Gesichtspunkte gibt es aber schon …
Zigaretten (Null Kalorien, dafür wenig sättigend und sehr ungesund) werden mit rund 74% besteuert – Industriezucker (sehr viele Kalorien und sehr ungesund) wird mit 10% besteuert.
In Schulkantinen stehen Getränke- und Snackautomaten, dafür müssen die Eltern für eine gesunde Jause sorgen. Zum Mittagessen werden industriell gefertigte Lebensmittel gereicht, die immer mehr, weil günstig, Geschmacks- und Volumensträger, Zucker beinhaltet. Die Mitnahme von klassischen „Zuckerln“ ist aber unter Androhung von Folter verboten.
Eine Kennzeichnung von Lebensmitteln in Bezug auf den Zuckergehalt wurde vom EU Parlament abgelehnt. Die unterschiedliche Besteuerung von Lebensmitteln je nach Zuckergehalt nicht durchsetzbar. Eine stufenweise Erhöhung der Krankenkassenbeiträge je nach Ernährungsverhalten nicht abwickelbar und nicht durchsetzbar.
Oder aber es ist noch niemand draufgekommen, dass der Großteil der Menschheit nach dem Belohnungsprinzip funktioniert. Anstatt immer höhere Beiträge aller Bürger einzufordern und so jeden mit einer Solidarhaftung für alle Säufer, Raucher, Fresser, Spieler und Giftler zu versehen könnte man doch anhand der Gesundheitsdaten, den Umsätzen auf dem Konto und der Befragung der Nachbarn, stufenweise die Beiträge der gesundheitsbewussten Konsumenten reduzieren.
Nicht reduzieren will die US Notenbank die US Leitzinsen. Ein robuster US Arbeitsmarkt, mit einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent und ein lebhaftes Wachstum der US Wirtschaft im zweiten Quartal 2017 legten eine Anhebung der Leitzinsen nahe. Trotz der guten Wirtschaft fiel allerdings ein wesentlicher Faktor für die Zinsveränderung niedriger als erwartet aus. Die US Inflation lag mit 1,5 Prozent deutlich unter den Erwartungen und noch viel deutlicher unter der Zielmarke der Fed von 2 Prozent. Die erwartete Erhitzung der Konjunktur, die Zinsschritte notwendig machen könnte, ist nicht zu erkennen.
Trotzdem wird wohl eine Erhöhung der US Leitzinsen erfolgen. Die Aktienmärkte nehmen es gelassen und markieren neue Allzeithöchststände.
In Anlehnung an die Lebensweisheit „Wenn Du eine Freundin hast, schau Dir zuerst die Mutter sehr genau an…“ zählt auch an den Finanzmärkten die Gegenwart nicht unbedingt sehr viel, es ist der Ausblick der einen Einstieg attraktiv oder unattraktiv macht…

