Gleichzeitig mit dem Börsegang von facebook im Jahr 2012 habe ich mein facebook account gelöscht. Dachte ich wenigstens…
Ausschlaggebend dafür war in gewissem Maß die aufkeimende Kommerzialisierung und die Sicherheit, dass meine persönlichen Daten aktiv genutzt werden. Es war aber auch der mir angebotene Inhalt – diverse, unterschiedlich zubereitete Lebensmittel, bizarre Landschaften, noch bizzarrere Wünsche meiner Freunde und sonstige Nebensächlichkeiten – von denen ich ausging, dass ich sie nicht vermissen werde.
Ein zusätzlicher Grund für das Löschen des accounts war ein Artikel in der besten Zeitung von Allen, der F.A.Z., in der der Verfasser facebook als Zeitdiebstahl definierte bzw. die Definition eines Freundes so beschrieb, dass er zumindest einmal für ihn oder sie gekocht hat.
Das mit dem Kochen war so logisch für mich, dass ich dem Ratschlag folgte, mein Konto löschte und 5 Jahre abstinent war. In der Zwischenzeit hat sich die Anzahl meiner Freunde durch regelmässiges Kochen und dem einen oder anderen Gläschen kontinuierlich vergrößert.
Informationsentzugserscheinungen hatte ich keine und die gewonnene Zeit konnte ich für allfällige Aufgaben, die mir die beste Ehefrau von Allen gerne übertrug, sinnvoll nutzen.
Leider ist facebook nicht nur ein wichtiges Instrument um persönliche Zeit gestohlen zu bekommen, es eignet sich auch hervorragend Zeit von Anderen zu stehlen. Und so geschah es, dass ich im Zuge der Aktivierung meiner persönlichen Betrachtungen und meiner Webseite gar nicht umhin kam mich wieder mit der Zeitstehlmaschinerie facebook zu vereinen.
Mit der Installation der facebook app erlebte ich einige Überraschungen. Nichts von meinen Inhalten war weg, alles wie vor 5 Jahren. Sogar einige, schmerzlich vermisste, Fotos hat mein Freund Zuckerberg für mich aufbewahrt.

Danke auch an die unveränderte Qualität der Beiträge, ich hätte mir nie gedacht, dass ich etwas mehr vermissen könnte als Magenschmerzen. „Kann eine Brezel mehr Fans haben als Tokio Hotel“? Alleine ich kenne mehr Schwaben die ohne Brezel nicht leben wollen als es jemals Fans von geschminkten Teenies gab.
Immer noch beliebt sind die Fotos vom Mittag- oder Abendessen, dem lustigen Ausflug oder dem neuen Auto. Neu für mich sind die bewegten Bilder, die meine entzündeten Augen beim raschen Wegwischen wahrnehmen, die teilweise erbärmliche Anpreisung von Produkten, Firmen oder politischen Inhalten.
Super finde ich ein paar Informationsseiten die es vor einigen Jahren nicht gab:
erdbeerlounge meldet z.B. „Wenn Du sie dort beim Vorspiel berührst, wird sie dich vergöttern!“ und gofeminin definiert „Frauen, die in diesen Branchen arbeiten, gehen mit höherer Wahrscheinlichkeit fremd“ oder die Sprüche aus der Seele schreiben „Es ist nicht dein Gesicht oder dein Körper der dich perfekt macht sondern dein Herz“
Ratschläge über Ratschläge, Informationen über Informationen. Wenn ich mich auf all die Inhalte einlasse, bin ich innerhalb von 60 Sekunden spitz wie Nachbars Lumpi, trenne mich von der besten Ehefrau von Allen, weine herzergreifende und falle dann in eine Depression. Aus dieser Depression werde ich dann durch die Umfrage aus Meine Jugend, „Wer kennt noch Raider“ oder durch ein paar Fotos auf „Die Männer Seite“ wieder rausgeholt.
„Einen“ rausgeholt hat diese Woche auch mein Lieblings online Händler Alibaba. Trotz der Tatsache, dass meine international anerkannte Sammlung an Manschettenknöpfe bereits groß genug ist und die beste Ehefrau von Allen alle Verstecke meiner China Päckchen kennt, kamen aus dem Alibaba Hauptquartier in Hangzhou gute Nachrichten. Für das Geschäftsjahr 2018 wurde ein Umsatzanstieg von 45 bis 49 Prozent angekündigt. Analysten waren bisher von einem Wachstum von 37 Prozent ausgegangen.
Die in New York gehandelten Aktien des Internetkonzerns stiegen bereits vorbörslich deutlich, nach Börsenstart lagen sie über 11 Prozent im Plus.
Hält der Trend zum online Einkauf weiter an, scheint das Unternehmen keine Grenzen zu haben. 1,35 Mrd Chinesen, davon nutzen im Moment rund ein Drittel das Internet. Ohne sich in Details zu verlieren, alleine das Potenzial das durch eine weitere Verbreitung von PCs, Smartphones und dem Internet entsteht, verbunden mit modernen, Bank unabhängigen Zahlungssystem könnte die Entwicklung von Alibaba durch die Decke treiben. Ich habe soeben meinen Teil dazu beigetragen und ein paar Kleinigkeiten bestellt:
– Panzerschutzfolie fürs iphone 0,70 Euro (in Worten siebzig Cent)
– Manschettenknöpfe (Frosch) 2 Stück für 3 Euro
– Silberkette, individuell und handgemacht mit den Namen der besten
Mädchen von Allen, 12 Euro
Preise gerundet, dafür bereits inklusive dem Versand aus rund 9.000 Kilometer Entfernung.
Noch Fragen?…
Helge Schneider spielt am 02. Juli 19:30 in der Wiener Staatsoper Jazz und Blues