Fenstertage

Bereits die ganz frühen Jägerkulturen und die Menschen in der Altsteinzeit (rund 2,5 Millionen Jahre v.Chr.) beobachteten die regelmässig stattfindenden Tierwanderungen und schafften sich Bewusstsein über jahreszeitlich und astronomisch widerkehrende Ereignisse in der Umwelt, die die Nahrungsgewinnung beeinflussten. Die Kenntnis von Sonnenwende, Tag-und-Nacht-Gleiche, Jahreslänge und Himmelsbeobachtung führten dann zu den Vorläufern unseres heutigen Kalenders. Spätestens von den Babyloniern wurde der siebentägige Wochenzyklus entwickelt, der unseren heutigen Alltag regelt.
Im 16.Jahrhundert entstand der gregorianische Kalender, der heute nahezu überall auf der Welt Verwendung findet.
Zusätzlich zu dem gregorianischen Kalender gibt es bei uns auch noch den Lehrerkalender. Dieser unterscheidet sich vom Kalender wie ihn Menschen ohne Kinder kennen, hauptsächlich durch rund 14 Wochen Ferien, Ski- und Schwimmwochen, Ausflügen, Landesfeiertage, sowie Besuche von Messen, Museen und Theateraufführungen auch noch durch frei wählbare schulautonome Tage. Diese Tage werden sehr gerne auf die sogenannten Fenstertage gelegt. Der Begriff Fenstertage hat seine Bedeutung in der Beschäftigung der Kinder an diesen Tagen. In Ermangelung von Kinderbetreuung und Urlaubstagen soll es eine große Anzahl von Eltern geben, die ihre Kinder an diesen Tagen mittels Seil am häuslichen Esstisch fixieren und den maximalen Bewegungsraum auf Kühlschrank, Toilette und Fenster beschränken.
Während die Eltern an diesen Tagen ihrem Beruf nachgehen um das Schulgeld für den Nachwuchs zu verdienen, erfeuen sich die Pädagogen am „Aperol Spritz“ an der italienischen Riviera oder wandern auf irgendeinem Pilgerweg mit Kollegen und bedauern ihren schweren Alltag.
Es gibt aber auch Kühlschrank- oder Toilettentage an denen zumindest ein Elternteil frei hat. Nachdem es sich herumgesprochen hatte, dass der beste Vater von Allen am vergangenen Freitag Urlaub hat, nutzten einige unserer Freunde den Tag um Urlaubstage für die anderen rund 70 (in Worten siebzig) freien Tage zu sparen.
Da ich Zahlenspiele gerne mag folgender Zwischensatz:
Der gregorianische Kalender hat 365 Tage – 52 Wochenenden ergeben 104 Wochenendtage – 13 Wochen Urlaub bedeuten zusätzliche 65 freie Tage – 8 schulfreie Feiertage, die Dienstage nach Pfinsten und Ostern sind weitere 2, dazu noch 4 schulautonome Tage – es bleiben 182 Unterrichtstage vor den schulinternen Wander-Ski-Sport- und Kultur Tagen. Bei 5 Wochen Jahresurlaub frage ich mich ernsthaft warum wir Elternschafe noch keine Revolution gestartet haben.
Egal, am Freitag habe ich 5 entzückende Mädchen in einen international anerkannten Minivan gesetzt und die Pausenvertretung gemacht. „Hefte raus – Klassenarbeit“ …

Erste Stunde, 08 30 Uhr Abfahrt zumTierpark. 09 30 bis 12 00 Uhr Wandertag durch das Wildgehege, vorbei an Damwild, weissem Hirsch und Goldschakal. Dazwischen kurze Pause mit den Klassikern Mannerschnitte und Soletti. Der Luchs zeigt sich nicht, dafür gesellen sich zwei von ihren Müttern und Lehrern verlassene Mädchen zu uns. Die Mütter finde ich wieder im Tal, der Luchs bleibt in seinem Versteck. Ich versorge die Mädels noch mit Pommes und Eis. Igendwie macht mich der Fenstertag ziemlich happy. Keine Verletzungen, kaum Streitereien innerhalb der Mädchenbande und einen ordentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum habe ich auch geleistet.  Ob ich das allerdings an allen Fenstertagen bewältige weiss ich nicht! Vielleicht nutze ich meine Restenergie und versuche das Schulsystem zu verändern Mitstreiter melden sich bitte unter jochen.maurer@mac.com

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