Im Rahmen eines Workshops durften wir Teilnehmer uns durch die Beantwortung von 3 Fragen vorstellen:
1. Welchen Beruf wollten Sie als Kind ergreifen?
2. Was machen Sie im Moment? und
3. Haben Sie noch einen Berufstraum?
Auf Frage Nummer 3 schoß die Antwort geradezu aus mir heraus:
Ich will einmal Fernsehprogramm Entwickler bei RTL 2 sein!
In meiner Phantasie sitze ich in einem gemütlichen Raum, verfüge über diverse Spielgeräte, eine gut bestückte Bar, Computerspiele, Fernseher, Sammlungen von DVDs und mittendrin eine fette Couch auf der noch ein paar andere Vögel sitzen.
Der Auftrag vom Chef alle 3 Monate: „Ihr bekommt 90 Minuten am Montag Abend – macht was draus!“
Ok, die Katastrophen Performance „Die Geißens“, „Auswanderer ohne Geld die im Ausland weiter verarmen, Bauteams die Hauser in 5 Tagen abtragen und neu aufbauen sowie Frauen die den Haushalt tauschen aber zum Glück der Männer wieder heim müssen. Alles komplett ausgenudelt, da braucht es einen neuen, richtigen Aufreger…
Also sitzen wir Kreativen da und schauen was die anderen Fernsehanstalten so treiben und siehe da – Stichwort „ausgenudelt“ – denken wir in die Richtung primäre Geschlechtsmerkmale. Sex sells – da sich für die Nackten auf einer Insel scheinbar niemand mehr interessiert, schicken wir die Nackten in eine Kabine und lassen andere Kommentare über deren Ausstattung machen. Alles verhüllt bis zum Bauch, aber von oben runter – Herzblatt ohne Feigenblatt!
Dass es Menschen gibt, die einen Hang zur Selbstdarstellung haben mag ich ja noch verstehen, aber was für ein Bild unserer Gesellschaft, dass es Menschen gibt die sich so was ausdenken und noch viel mehr die sich das ansehen. Einschaltquoten wie bei „Wetten dass…“
Dabei hätte mit einer noch aggressiveren Wahl des Formatnamens noch deutlich mehr mediale Präsenz erreicht werden können. Naked attraction. Ohne Stimulanzien und ohne Kreativteam fallen mir auf Anhieb statt „Naked Attraktion“ folgende ein:
GNTP – Germanys next Top Pussy
DSSG- Deutschland sucht das Super Glied oder noch besser
NG – Nudel gesucht…
Was allerdings die Attraktion sein soll? Wer schon mal Sport getrieben hat, einen Besuch in einer gemischten Sauna erlebte oder auf einer spanischen Insel Strandurlaub machte weiß, dass es alles wie THirts in S,M,L und XL gibt.
Dass das Tutti Frutti des Jahres 2017, im Zeitalter von youporn, Kontakt- und Flirtbörsen den Weg ins Fernsehen geschafft hat, hat mich gleich zu einer neuen Fernsehshow inspiriert. Nach GNTP/DSSG/NG gehen die Moderatoren und die Auserwählten ein Studio weiter und nehmen dort an der Show HAK teil. Bei Hammer auf den Kopf stehen die Kandidaten im Kreis, jeder mit einem Zimmermannshammer ausgestattet und darf auf das lustige Kommando des Moderators dem Nebenmann den Hammer auf den Kopf hauen. Spitz of flach, fest oder sanft, ganz egal, hauptsache es lenkt dauerhaft vom Nacktsein ab.
Eine wirklich gute Ablenkung zur österreichischen und europäischen vorsommerlichen Politposse lieferte dieser Tage das Recherchenetzwerk European Investigative Collaboration (EIC). Dem EIC wurden zwei Datensätze mit den sogenannten „Malta Files“ zugespielt. Nach den Panama Papers nun also die nächste Insel für Selige.
Das Nachrichtenmagazin Spiegel online titelt „Mafia-Blut an Maltas Geld“.
Die Malta Files sollen einen Einblick in die Geschäftspraktiken einer Insel geben, die von der EU-Mitgliedschaft profitiert, dabei ihren Partnerländern durch entgangene Steuereinnahmen Schaden zufügt – und die organisierte Kriminalität anlockt. Die italienischen Behörden ließen einen Klan aus der Küstenstadt Reggio Calabria 2015 auffliegen. Sie beschlagnahmten Bargeld, Immobilien und Unternehmensvermögen im Wert von zwei Milliarden Euro. Gennaro kooperierte und verriet sein Betätigungsfeld: Geld in Poker- und Wettanbieter auf Malta investieren.
Die Online-Gambling-Industrie boomt auf Malta, mittlerweile macht sie zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Regierung schätzt den Wert der Branche auf 1,2 Milliarden Euro.
Zahlreiche europäische Unternehmen unterhalten in Malta Tochterfirmen, denn in Malta anfallende Gewinne müssen ausländische Unternehmen lediglich mit 5 Prozent versteuern. Vorausgesetzt die Unternehmen machen auf der Insel auch wirklich Geschäft. Maltas fünf Prozent BIP-Wachstum bedeuten EU-Rekord. Doch das hat einen Grund: Der Anteil der Finanzbranche an der Beschäftigung ist in Malta doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Euro-Zone. Argumentation der Malteser: Wir haben keine Kohle wir haben keinen Stahl, wir sind auf den Finanzsektor angewiesen.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte nicht besser gewählt sein. Malta hat noch bis zum 30.Juni die EU Ratspräsidentschaft und natürlich erklärt Maltas Finanzminister dass ein Land nichts zu verbergen hat und in gar keinem Fall das „Panama Europas“ sei.
Nichts zu verbergen, da schließt sich der Kreis zu den Kandidaten von GNTP/DSSG/NG, obwohl ich für die Auswähler hoffe, dass die Auserwählten noch irgendein Geheimnis parat haben.