Die größere der beiden besten Töchter von Allen nimmt gerade die 20iger Hürde. Zum Glück nicht den Geburtstag, denn sonst wäre ich 15 Jahre im Koma gelegen, nein, beim Rechnen.
Wirklich spannend zu beobachten, wie flink Kinder Ergebnisse mit den Fingern abzählen können, die mancher Maturant im Kopf nicht lösen könnte.
Dabei kann Kopfrechnen im Leben durchaus hilfreich sein. Die vier Grundrechenarten und ein wenig Prozentrechnen, dazu das Training der Überschlagsrechnung und schon wird manches im Alltag leichter.
Zur nächsten Tankstelle fahren weil dort der Sprit um 2 Cent günstiger ist, bei einem Tankinhalt von 50 Liter und einer Strecke von 5 Kilometer – 0% Zins beim Elektrohändler des Vertrauens, dafür eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 5% – Ein Handy um 500 Euro kaufen oder bei einer 2 jährigen Bindung 50 Euro pro Monat an den Betreiber überweisen – gar nicht so einfach schnell mal die rechnerisch richtige und natürlich auch die persönlich passende Variante zu wählen.
An den Veranlagungsmärkten wird im Moment auch eher die persönlich passende Variante der vermeindlich rechnerisch sinnvollen vorgezogen.
Immobilien, Oldtimer, Kunstwerke, Private Equity – manche Kaufentscheidung erinnert an die Jahrtausendwende als eine Vielzahl von „Neuer Markt“ – Internet – Technologie – und Telekommunikations Veranlagungen reißenden Absatz fanden, Medien und Vertriebseinheiten die Euphorie noch zusätzlich anheizten und Anleger die fundamentalen Daten, Unternehmensbewertungen und Jahresabschlüsse einfach ignorierten.Wer damals, am Ende der Party, seinen Kopfrechner noch eingeschalten hatte und in der Lage war die Bewertung eines Unternehmens mit dem Buchwert ins Verhältnis zu stzen (Subtraktion), kam einigermaßen glimpflich oder sogar mit stolzen Gewinnen aus dem Markt, bevor der Absturz Milliarden von Euros umverteilte und kurzfrisitge Investitionen zu Depotleichen wurden..
Nicht dass die aktuelle Situation ähnlich dramatisch wäre. Die Anlage in Immobilien in den Randlagen von Städten soll nach Steuern, Kosten und Rücklagen immerhin noch positive Erträge bringen; die Preise für Sachanlagen, die keine laufenden Erträge bringen haben offensichtlich keine Grenzen in der Preisentwicklung und selbst start up Unternehmen versprechen bessere Erträge als das Sparbuch. In jedem Fall hilft es kurz zu Überschlagen ob das präsentierte Rechen- und Ertragsbeispiel grundsätzlich passen kann. Das hätte wahrscheinlich auch den Investoren geholfen, die in das österreichische start up Unternehmen, das die selbstfüllende Wasserflasche entwickelt hat, investiert haben:
Dabei soll der Strom den ein Solarpaneel das am Rucksack befestigt ist erzeugt, die Energie liefern, die dafür notwendig ist, bei optimalen Bedingungen (sehr hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 40 Grad Celsius) innerhalb von 2 Stunden zwischen einem halben und einem Liter Wasser zu produzieren.
Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 40 Grad…Wer schon mal in der Karibik oder in Asien während der Regenzeit war, weiß, dass dort eines nicht fehlt – Wasser. Der Unterschied zwischen 0,5 oder 1 Liter in 2 Stunden hätte auch schon ein Indiz dafür sein können, dass das Konzept ein wenig mehr Berechnungsaufmerksamkeit verdient hätte. Dass das Konzept der Wassergewinnung durch Temperaturunterschiede (Besucher von OpenAir Veranstaltungen kennen den klammen Schlafsack am Morgen danach) einen sehr hohen Energiebedarf hat, wurde durch das Solarpaneel am Rucksack gelöst. Dass das Solarpaneel für eine ausreichnde Energieversorgung eine Größe von 1,5 Quadratmeter haben müsste macht die Nutzung der Erfindung im täglichen Bedarf ein wenig kompliziert. Besonders Radfahrer aber auch Wanderer müssen aufpassen dass sie sich nicht in Gleitschirmflieger verwandeln. Den Aussagen des Gründers „die Konzeptbilder dienen lediglich der Erklärung der Idee und stellen keinesfalls technische Details dar“, folgen freudige Aussagen der Investoren, denen es jetzt „um die zukunftsausgerichtete, technologische und inhaltliche Machbarkeit“ und nicht mehr um den Ertrag geht. Die gleichen Investoren laufen Amok wenn die von einer Bank verwalteten Veranlagungen in einem Jahr leicht hinter den Erwartungen liegen.
Macht nichts, wir sind wieder in der Zeit angelangt wo irgendeine Idee ausricht um Gelder einzusammeln und gerechnet wird dabei nicht wirklich.
Für alle Freunde von Zahlen: Als kleines Hilfsmittel für die einfache Berechnung von Zinserträgen dient die Zahl 72
Mit dieser Zahl lässt sich berechnen, wie lange es dauert bis sich eine Geldanlage bei einem bestimmten Zinssatz verdoppelt hat. Dafür muss man die „magische“ Zahl 72 einfach durch den jeweiligen jährlichen Zinssatz oder prozentuellen jährlichen Ertrag teilen und heraus kommt eine relativ exakte Annäherung an die benötigten Jahre.
Um sein Geld bei einem Zinssatz von 1,2% p.a. zu verdoppeln, wären also wieviele Anlagejahre notwendig?