Es soll Zeiten gegeben haben in denen sich Menschen ausschließlich persönlich verabredeten. Überlieferungen aus einer fernen Zeit beschreiben diese Verbredungen als eine mündliche Absprache sich an einem vereinbarten Tag, zu einer bestimmten Zeit, an einem definierten Ort zu treffen.
Ich habe davon gehört, dass es noch einige unverbesserliche ewig gestrige Zeitgenossen geben soll, die nicht von dieser Art der Verabredung entsagen wollen. Um ehrlich zu sein gehöre ich zu den Anhängern dieser historischen Kommunikation. Diese Form der Verabredung hat einige Vorteile:
Einmal etwas ausgemacht musste schon sehr Schlimmes passieren, dass ein Treffen nicht zustande kam – Verschiebungen von Datum, Ort und Zeit gab es aufgrund des Aufwands kaum – die Teilnehmer waren fix – hatte man sich erst mal getroffen gab es
nur noch das Hier und Jetzt.
Heute geht das anders… whats app, SMS, Email und andere Hilfsmittel machen ein Treffen zu einer Art offenen Plattform, ein Kommen und Gehen von elektronisch informierten Menschen, das Verschieben von Ort, Zeit und Raum, gepostete Peinlichkeiten, usw.
Einen Vorteil der neuen Kommunikation habe ich am vergangenen Wochenende herausgefunden. Wir Väter von Kindern die gemeinsam in die Schule/Kindergarten gehen haben einen virtuellen Stammtisch, eine whats app „Männer Gruppe“ gebildet. I wesentlichen hilft uns diese Gruppe unser männliches Ego und unser Weltbild zu behalten und zu stärken. Die Gruppe dient auch zur Koordination von Terminen, die längst schon von unseren Bestimmern (Frauen und Kinder, in dieser Reihenfolge) definiert wurden.
Diese Gruppe wird von den besten Ehefrauen von Allen mit ein wenig Sorge betrachtet. Eine großteils geschützte Plattform zum Austausch von Sorgen, Nöten und Problemen hieß früher Stammtisch, heute findet der Austausch eben elektronisch und ohne die obligaten 5 bis 15 alkoholischen Getränke statt.
Damit unsere Kinder immer wieder mal gemeinsan an die Luft kommen und sich bewegen, „whats appen“ wir uns regelmässig. Nach gefühlten 100 GB Datenschrott gelingt das auch meistens.
Die Dynamik von elektronischen Verabredungen darf man nicht unterschätzen. Neben den Infos über Ort und Zeit, wechseln auch lustige Bilder und Sprüche die mobile Kommunikationsgeräte. Das laute Lachen bindet dann die besten Ehefrauen von Allen ein und es wird nicht nur komplizierter sondern auch kritischer und komplexer.
Diese Komplexität habe ich ausgenutzt.
Ich: „Wanderung, Sonntag, 30.Mai, Kinder, Roller, Hunde“
Gruppe: „Bin dabei“ – „Gerne“ – „Super Idee“
Ich: „Wer ist der Zeremonienmeister?“
Gruppe: „Du“
Ich: „Sonntag, 10.Uhr, Kinder – Roller, Hunde – Klopeiner See,
dann Mittagessen vor Ort, danach Gin Tonic und Tanz in den Mai beim P.
Es folgte eine elektronische rhetorische Pause, die in einer Männerwelt eindeutig Zustimmung bedeutet. Keine Notwendigkeit die Zeit mit weiteren Planungen zu verschwenden.
Es folgte zusätzlich eine orkanähnlich Föhnung der besten Ehefrau von Allen, in deren Mittelpunkt das Einladen einer Gruppe von 8 Erwachsenen und 7 Kindern ins Haus von Freunden stand.
Es fand aber genau so statt – Rollern, Essen, Trinken und Tanzen. Kein Widerspruch und zumindest keine offene Kritik der ungefragten Gastgeber. Die Steigerung der facebook Parties ist die inszinierte whats app Party bei Freunden.
Dieser Tanz in den Mai ware auf die alte Art der Einladung entweder nicht zustande gekommen, bei uns zu Hause gewesen odr nicht so lustig gewesen
Willkommen in der Neuzeit – Schwabenherz was willst Du mehr