Urlaub (all) inklusive neuer Seuchen

Zum ersten Mal seit die besten Mädchen von Allen auf der Welt sind haben wir Urlaub abseits des Familienanwesens gemacht. Eine Woche all-inklusive auf der Insel Brac. Waterman Resort SVPETRUS (eine klare Empfehlung für Familien – dazu aber später mehr) mit 2.000 Betten, rund um die Uhr Essen, Trinken und Animation für Groß und Klein. Wer eine Abneigung gegen Cluburlaube hat würde nie auf die Idee kommen so ein Angebot zu buchen – und obwohl die beste Ehefrau und der griesgrämigste Deutsche von Allen auf ihrer Liste der dont´s genau diese Art von Urlaub ganz oben hatten haben wir genau dieses Hotel gewählt.

View of Town of Supetar from Ferry

Bevor wir die Reise angetreten haben mussten wir noch ein paar kleine Hürden überwinden. Dabei steht die Enterbung der schlechtesten Tochter von Allen noch im Raum – „wie dumm muss man sein für einen Urlaub an der gleichen Küste Geld zu bezahlen, wenn das eigene Haus am Meer bereitsteht“ – überstanden haben wir den Termin beim Friseur sowie das Familientreffen am Abend vor der Abreise genauso wie den ersten Flug der Mädchen. Als wäre der Flug war, im gefühlten Herbst des Jahres 2014, aufgrund heftiger Winde und Regenwolken nicht schon bedrohlich genug gewesen hat uns der Pilot der kleinen Propellermaschine die uns von Zagreb auf die Insel Bracbrachte bei den Landeübungen am Simulator gefehlt. Die Piste ist kurz und das Flugzeug schnell, der erste Bremsversuch zu zaghaft und dann geht der Asphalt schneller zu Ende als gedacht. Die zweite Bremsung war so heftig, dass es ein Glück ist, dass es auf kurzen Flügen keine Nahrung mehr gibt. Selbst ein kleines Sackerl Nüsse oder eine Packung Manner Schnitten wäre bei der zweiten Bremsung über das Rückrat ausgeschieden worden. Der Taxifahrer der uns abholte meinte lapirdar „da war kein Meter Landebahn mehr zwischen Reifen und den ersten Felsen. Egal, alles gut überstanden und die Tränen unserer kleinen Viktoria waren vergessen als ihr heiss geliebter rosaroter Koffer mit all ihren Pferden wieder vom Band kam. Empfehlung an Eltern: Bei der Flugvorbereitung zum ersten Flug nicht darauf vergessen das Kind auf den Koffer Check in vorzubereiten – die Schreie und Tränen waren Herz zerreissend als der Koffer verschwand…

Auf das Schlimmste vorbereitet trafen wir in der erwarteten „All-in Burg“ ein, doch siehe da… Eine weitläufige, Parkähnliche Anlage mit kleinen Häusern die geräumige Zimmer haben, mehrere Restaurants, weitläufige Pools, dezente Angebote die Kinder abzugeben oder den eigenen Wampen zu bewegen. Dazu ein wirklich sehr sauberer Strand der so lange ist, dass mit wenigen Gehminuten ein relativ ruhiges Plätzchen gefunden war. Rund um ein attraktives Angebot, dem aus meiner Sicht durch die Herzlichkeit der Angestellten und dem immer wieder gereichten lokalen Speisen das Sahnehäubchen aufgesetzt wurde. Der Restschwabe in mir muss noch erwähnen, dass auch der Preis für Hochsaison und all-in wirklich überraschend günstig war.

Natürlich gibt es auch ein paar interessante Beobachtungen, die aber mehr mit den Gästen als mit den Gastgebern zusammenhängen. Alte aber immer noch gute Unarten wie das ewige Reservieren der Liegen (einmal habe ich, verjährt da noch vor dem Mauerfall, alle Handtücher am Pool von Malle in denselben entsorgt) werden wohl niemals aufhören. Auch das Drängeln am wirklich reichhaltigen und niemals leeren Buffet ist ein beliebter Urlaubsspaß, der seinen Höhepunkt erreichte als die beste Ehefrau von Allen eine etwas betagte und dickleibige Dame in ihrer charmanten Art mit den Worten „Sind Sie bitte etwas respektvoller meinen Kindern gegenüber, wir lernen ihnen auch, dass Sie ältere und behinderte Menschen behutsam behandeln“ föhnte. Wie herrlich lustig kann doch Cluburlaub sein.
Aus der Mode gekommen ist „oben ohne“ Sonnenbaden, zumindest in Kroatien wo es laut Aussage der Kenner aber auch noch nie wirklich sittsam war das physikalische Phänomen der Schwerkraft offen darzustellen.
Zwei neue Trends der Urlaubsvergnügen sind die Hotellobby Freakshow aller Social Media Süchtigen – statt freiem Meerzugang suchen Menschen aller Alterklassen freies Internet. Selbst während der wenigen Sonnenstunden war die Lobby stärker besucht als die Bar mit freien alkoholischen Getränken.
Ganz witzig finde ich auch den Trend zum Tablet – statt mit Fotoapparat, Videokamera oder Handy laufen die Freaks mit Ihrem Tablet spazieren – Brett vorm Kopf im 21ten Jahrhundert – machen Fotos und filmen am Strand und lesen DIE  Zeitung beim Frühstück die früher zwischen allen deutschsprachigen Urlaubern eines Hotels ausgetauscht wurde und am Abend optisch ihrem Inhalt glich…

Reklame-Aufsteller der Bild Zeitung

Reklame-Aufsteller der Bild Zeitung (Photo credit: Wikipedia)

Nie mehr eine dreckige BILD Zeitung aus dem Papierkorb fischen um die Bundesliga Ergebnisse zu checken und ich weiß nicht ob ich mich darüber freuen kann.

 


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