Antizyklisches Handeln kann zum Erfolg führen – oder eben auch nicht. Die Regel sich auch mal gegen den Trend oder gegen allgemein übliche Verhaltensmuster zu stellen kann auch bei der Investition in Aktien befolgt werden. Auch, aber eben nicht nur. Heute heben wir extrem antizyklisch gehandelt. An einem der ersten wirklichen Frühlingstage, an denen Herr, Frau und Kind Mitteleuropäer das erste Mal den Griller im Garten oder dem Balkon anfeuern um den Nachbarn deutlich zu machen, dass es mit der winterlichen Ruhe vorbei ist, hat die beste Ehefrau von Allen zwei Taschen gepackt und uns ins Hallenbad geführt.
Alleine bei der Ankündigung den Sonntag bei 30 Grad Raum- und Chlorwassertemparatur verbringen zu dürfen hat mir den kalten Schweiss auf die Stirn getrieben. Hunderte schreiende Kinder, Schwimmbecken deren Wassergehalt im Laufe des Tages homöopatische Züge annimmt und natürlich die Wahl der richtigen Badekleidung. Was nach einem schneearmen aber kalorienreichen Winter auf meinen Hüften klebt ruft nach einem Badeanzug für Männer, bekannt aus alten Stummfilmen oder in der Hardcore Borat Version, immer aber inklusive einem Figur formenden Stahlgestell.

Man in a swimming costume standing with two trophies (Photo credit: Australian National Maritime Museum on The Commons)
Doch woher kann so ein Teil überhaupt und besonders in Klagenfurt, dazu noch an einem Sonntag her kommen.
Weil es keinen Weg zurück gab habe ich die Bademode eingepackt, die am besten vom „Winterkessel“ ablenken kann. Short mit Hawaii Muster, grellgelb orange Blumenmuster auf dunkelblauem Grund.
Mit dem deutlichen Vorsatz nicht nur während der Fastenzeit auf Zucker zu verzichten trug ich die schönsten Mädchen von Allen durch das Antifußpilzbecken. Doch weit gefehlt, alle Sorgen und Ängste waren unnötig. Das Bad beinahe menschenleer, die wenigen Besucher hatten in den kalten Monaten noch wesentlich mehr gesättigte Fette zu sich genommen, die wenigen Kleinkinder Schwimmwindeln an und in das Becken der aus Altersgründen undichten Menschen konnte ich Dank der Mädchen gar nicht gehen. Einen kleinen Schock habe ich dann aber doch noch bekommen. Das Sprungbecken war geöffnet und natürlich kam irgendwann der international anerkannte Bretthüpfer. Einer von der Sorte Männer die mir in meiner Jugend jegliche Chancen auf Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht vermasselt haben. Denn während damals der Sprungadonis mit ein paar Schritten Anlauf auf das Ende des Bretts hüpfte und es mit seiner Technik in die Nähe der Wasseroberfläche drückte um dann mit einem siebenundzwanzigfachen Salto vor und rückwärts in Wasser sprang, stand ich mit meinem Sommerkessel hinterm Baum und schleckte an meinem Eis… Genau so einer war heute auch wieder da – nur ich hatte die auffälligere Badehose, die schönste Frau von Allen und entzückende Mädchen bei mir und ganz still bedankte ich mich bei dem unbekannten Klippenspringer. Seine Sprungtechnik hat mir zu einem der schönsten Bilder im Rahmen meiner Tätigkeit als Wertpapiertrainer verholfen. Wer den Springer und die Biegung des Sprungbretts beobachtet und ein klein wenig Phantasie hat versteht was Zinssatzänderungsrisiko für Veranlagungen bedeutet und wie es passiert:
Je länger das Brett und je stärker der Druck der darauf ausgeübt wird, desto größer ist die Veränderung nach unten und nach oben.
Klingt einfach und ist es, wenn man es hört, ganz besonders.

