Zugegeben, ich bin nicht der größte Freund von China, auch nicht von chinesischem Essen.
Die Reise, die ich mit der besten Ehefrau von Allen im vergangenen Jahr nach Hong Kong und der chinesischen Insel Sanya erlebt habe, hat aus mir auch keinen China Fan oder „chinesischen Dauertouristen“ gemacht.Ein Land das friedliche, regimekritische, Menschen einfach so wegsperrt und auch nicht davor zurückschreckt Millionen Menschen wegen einem Energieprojekt umzusiedeln hat ganz gewiss noch einige Veränderungen vor sich.
In den letzten Wochen werde ich innerlich aber immer mehr und immer stärker zu einem Verteidiger von China.
Mir fehlt ein wenig das Verständnis mit welchem Druck Amerika und neuerdings auch Europa China angreifen. Vielleicht war ich ja einige Monate oder gar Jahre abwesend, bisher ist mein Wissensstand allerdings der, dass China ein eigenständiger Staat ist, der sich nicht dem Joch der Amerikaner unterworfen hat.
Ein eigenständiger Staat, groß und stark genug um die eigene Wirtschaft in Gang zu halten und in der Lage so attraktive Produkte zu einem günstigen Preis zu erzeugen, dass die Auslastung der chinesischen Unternehmen nahe der 100% Marke ist. Ein Staat mit einer eigenen Währung, deren Wert im Außenverhältnis nicht am Sparvolumen der Bürger, sondern in der Attraktivität für den Export chinesischer Produkte gemessen wird.
Die Geschäfte gehen so gut, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen in den chinesischen Firmen mehr als 10 Stunden am Tag und oftmals 6 Tage in der Woche arbeiten. Es stimmt ganz sicher, dass nicht alle Arbeitsplätze in China unserem Standard entsprechen, allerdings freuen wir uns alle, wenn beim Eduscho, Hofer, Lidl oder anderen Geschäften, das Produkt der Woche um einen sensationell tiefen Preis angeboten wird.
In meinem ersten Arbeitsvertrag, unterzeichnet 1983, hatte ich zwar schon eine 5 Tage Woche, mit 42 Arbeitsstunden und der Option, dass Arbeit am Samstag ohne Änderung des Vertrags jederzeit wieder eingeführt werden kann. Spreche ich mit meinem, dem besten Vater von Allen, über seine Arbeitszeit im aufstrebenden Deutschland der 50iger und 60iger Jahre, so waren 50 Stunden Woche durchaus die Regel.
Heuchlerisch und, abseits der Menschenrechtsverletzungen in China, eine gewaltige Ungerechtigkeit empfinde ich die Diskussion um Chinas Wechselkurse. Wer bitte hat die Amerikaner zur Vernunft gerufen, als sie nach der ersten sinnlosen Intervention im Irak ihre Währung um fast 50% abgewertete haben, ihren Haushalt saniert und die Welt mit ihren billigen Produkten überschwemmt haben? Was damals richtig war ist heute falsch, nur weil es China macht?
Genauso frech ist der Versuch der entwickelten Märkte China zur Herausgabe von Rohstoffen (Seltenerdmetalle) zu zwingen. Was würden wir sagen, wenn Afrika von uns die Herausgabe der Hälfte unserer Trinkwasservorräte fordern würde, oder die Emirate das Recht an Teilen der Kürbiskernernte und den Grünen Veltliner Trauben begehrt.
Österreich könnte im Gegenzug das Recht an den Goldschätzen in den Schweizer Banksafes aufzeigen und wäre ein paar Sorgen los.
Wäre ich der chinesische „König“, würde ich genauso agieren wie die chinesischen Machthaber und lächeln, lächeln, lächeln, nie das Gesicht verlieren und die Welt weiterhin mit Produkten überschwemmen, ich würde meine Wirtschaft stärken und den Amerikanern langsam aber sicher ihre Unternehmen abkaufen.
Ich bin aber nicht der chinesische König, sondern Europäer mit Lebens- und Arbeitsmittelpunkt im Herzen Europas und da wird mir schon ein wenig Bange bei dem Gedanken, dass das was die Chinesen machen, kurz- mittel- und langfristig extrem erfolgreich erscheint.
Dass die Drohgebärden der Amerikaner uns Allen helfen halte ich für so wenig erfolgversprechend wie mein Versuch die hungrigste Tochter von Allen zu stillen.
Ein wenig chinesisch habe ich schon gelernt:
Nummer 43 heißt, gebratene Nudeln mit Hühnerfleisch!
