Eines meiner Lieblingsthemen im Anlagegeschäft sind Börseregeln.
Mein Favorit ist von Mark Twain, der gesagt haben soll: „Der Mai ist ein gefährlicher Börsemonat,… es gibt aber auch den Juni, Juli, August…“
Viele andere, ernannte oder selbsternannte, Gurus haben Börseweisheiten geprägt:
“Sell in May and go away”
„Kauf Dir Gerüchte, Verkaufe die Fakten“
„Kaufen wenn das Blut durch die Strassen fließt“
„Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“
„Wirf schlechtem Geld kein gutes Geld nach“
Am Ende einer Investition, ob erfolgreich oder mit dickem Minus, hat der Markt immer Recht gehabt, nicht die Regel und nicht die Weisheit.
Und nach einer Investition ist es auch immer einfach, bzw. überhaupt möglich, die Umstände die zu Erfolg oder Misserfolg geführt haben zu
messen und in schöne Worte zu packen. Der wichtigste Zeitpunkt für eine Investition ist aber der Kaufzeitpunkt. Nicht nur, dass dieser im Optimalfall der günstigste sein sollte, nein der Investor muss zu diesem Zeitpunkt auch absolut überzeugt (geworden) sein, dass die Anlageidee aufgeht und die Investition erfolgreich sein wird. Sonst ist ein Sparbuch besser. Was aber tun, wenn die Idee nicht aufgeht und der erwartete kurz- oder mittelfristige Erfolg nicht eintritt? Dafür gibt es k e i n e Regel, denn jeder Anleger und jedes Marktumfeld ist anders. Welches Anlageziel wird verfolgt, warum ist der negative Erfolg eingetreten und besteht die Chance dass die Anlageidee mittelfristig doch richtig ist. Das Umfeld ist immer und zu jeder Zeit zu vielschichtig als dass man mit einer Regel oder einer Kombination von Regeln agieren kann und sollte. Besonders im aktuellen Marktumfeld ist guter Rat teuer. Werden sich die Volkswirtschaften und damit die Börsen wieder zu einem normalen Verlauf entwickeln? Können wir Anleger darauf vertrauen, dass alle furchtbaren Meldungen aus den Banken, Versicherungen und Investmentfonds veröffentlicht sind, oder kommen demnächst noch mal einige Milliarden von Verlusten zu Tage, die bisher in den Büchern nicht gefunden werden konnten? Leider ist die genaue Gesamtsumme der „toxischen“ Wertpapiere nicht definierbar, sonst könnten wir beginnen eine Summe zu ziehen und die Differenz wäre das bestehende Risiko. Mir ist die Gesamtsumme nicht bekannt und ich habe die Befürchtung, dass noch einiges kommen wird, das bisher nicht als gefährlich bezeichnet wurde. Trotzdem, wer gar nicht investiert kann niemals beim nächsten Aufschwung dabei sein. Genau aus diesem Grund bin ich fest davon überzeugt, dass die gleichmäßige und kontinuierliche Investition in die Aktienmärkte (cost-average-effekt) bereits jetzt beginnen sollte. Damit finden Sie zwar nicht den billigsten Einstand für Ihre gesamte Investitionssumme aber Sie kaufen in keinem Fall dann wenn die Party wieder vorbei ist.